Monogramm Herzog Carl Eugens über der südlichen Eingangstür zum Weißen Saal

Der Übergang vom späten Rokoko zum Frühklassizismus

Stilgeschichte

Sensationell gut erhalten – Schloss Solitude zählt zu den wenigen Schlössern, die nahezu unverändert die Jahrhunderte überdauert haben. Am Übergang zwischen Rokoko und Frühklassizismus errichtet, ist es ein einmaliges Zeugnis für beide Stilrichtungen.

Frontalansicht von Schloss Solitude

Eine große Freitreppe führt ins Hauptgeschoss.

Verschiedene Stile

Beim Entwurf des Schlosses entschied sich Carl Eugen für den Typus des Lusthauses – eigentlich nicht mehr ganz zeitgemäß. Mit der Zweigeschossigkeit, dem umlaufenden Altan und den Freitreppen erinnert die Solitude an ältere Lusthäuser wie zum Beispiel Schloss Favorite in Ludwigsburg, entstanden 1716 bis 1719. Die Räume dagegen sind hochmodern gestaltet: Sie zeigen in ihrer Dekoration den um 1760 in Süddeutschland stattfindenden Stilwandel vom Rokoko zum Frühklassizismus.

Vorzimmer im Appartement von Herzog Carl Eugen in Schloss Solitude

Ganz im Stil des Rokoko: das Vorzimmer.

Verspielt und galant

Bloß keine glatte Fläche ohne Verzierung. Decken, Böden, Wände mussten stets mit reichen Ornamenten, Figuren, Blumenranken oder Muscheln verziert und am besten auch vergoldet werden. Pastellfarben, Lacktafeln mit Chinoiserien, die an chinesische Landschaften erinnern, zeigen Elemente der späten Rokokozeit, wie sie in Schloss Solitude erhalten geblieben ist.

Palmenzimmer im Appartement von Herzog Carl Eugen in Schloss Solitude

Wie eine Gartenlaube: das Palmenzimmer.

Das Modernste vom Modernen

Mit dem französischen Architekten Philippe de La Guêpière kamen neue Ideen nach Württemberg. Er hat in seinen eleganten Entwürfen für die Solitude die Formensprache des späten Rokoko verwendet, das sich an der französischen Klassik orientiert. Das Spätrokoko trat fast gleichzeitig mit der gradlinigeren Gestaltung des frühen Klassizismus auf. Architekt Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der Nachfolger de La Guêpières, vollendete die Inneneinrichtung, zum Beispiel den frühklassizistisch gestalteten Marmorsaal, die Bibliothek und das Arbeitszimmer.

Topografischer Plan von Schloss Solitude, Kupferstich von 1784

Ein weitläufiger Garten umgab einst das Schloss.

Spätbarocke Pracht im Grünen

Streng gegliedert und mit schnurgeraden Alleen versehen wollten die Herrscher im 18. Jahrhundert ihre Schlösser, Gartenanlagen und Städte gestaltet haben. Herzog Carl Eugen von Württemberg war da keine Ausnahme. Das System von geraden Sichtachsen und Alleen rund um die Solitude ist ein gutes Beispiel dafür. Typisch für die Zeit des Rokoko war die kleinteilige Gliederung der Gärten mit Heckentheatern, Lustseen und Irrgärten. Historische Pläne bezeugen dies eindrücklich.

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