Schloss Solitude im Jahr 1765, Gouache von Harper

Aufgedeckt – was die offiziellen Quellen verbergen

Der Hofchronist

In den Hoftagebüchern steht die offizielle Version, schließlich wollte der Herzog im besten Licht erscheinen. Außerdem gibt es noch die Akten der Hofverwaltung, doch die liefern nur die Fakten. Pannen, Skandale, Liebschaften – das sind die Themen, die jeden interessieren.

Detailansicht einer Stuckfigur aus dem Marmorsaal von Schloss Solitude

Stuckfigur aus dem Marmorsaal.

Pst – bitte weitererzählen!

Ausgerechnet die amüsanten Anekdoten und die alltäglichen Erlebnisse sind meist nicht in den Akteneinträgen der Hofverwaltung vermerkt. Manches davon veröffentlichte Hofchronist Carl Eduard Vehse 1853 in seinem mehrbändigen Werk „Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformationszeit“. Zum Leidwesen der betroffenen Höfe nahm das breite Publikum die teilweise skandalösen Geschichten begeistert auf. Der württembergische Hof kam in dem Band „Die Höfe zu Württemberg“ verhältnismäßig glimpflich davon.

Kolorierte Grafik von Schloss Solitude, um 1770

Schloss Solitude um das Jahr 1770.

Schloss Solitude – ein Freudenort, wie Vehse schrieb

„Solitude, aus einer der rauhesten Höhen der waldigen Gegend zwischen Stuttgart und Leonberg, die ihm wegen ihrer schönen weiten Aussicht gefallen hatte, wurde nun ein Hauptfreudenort. Wie Ludwigsburg ward dieses Solitude auf fremden Boden erbaut; es gehörte einem benachbarten Dorfe [Gerlingen]. Man grub Seen auf Bergen und ließ sie frondenweise durch Tausende von Bauern mit Ton ausschlagen und mit Wasser anfüllen. Die Wälder wurden illuminiert: Aus künstlichen Grotten inmitten derselben sprangen ganze Heere von Faunen und Satyren und tanzten zur Mitternachtsstunde Ballett.“

Vergoldete Stühle im Schloss Solitude

Die Ausstattung war vom Feinsten.

Für die Nachwelt archiviert: die nüchterne Version

In den Archiven des Landes schlummern die Akten der württembergischen Hofverwaltung. Vielfach sind darin die Ausgaben für den Schloss- und Gartenbau, die Gehälter der Bediensteten oder die Lebenshaltungskosten der herzoglichen Familie dokumentiert. Wie wurde gefeiert, was gab es zum Essen, wer war eingeladen – solche Fragen sind aus den Akten zu beantworten. Zusammen mit persönlichen Tagebüchern lassen sie – auch ohne Skandale – ein lebendiges Bild des 18. Jahrhunderts entstehen.

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